Der jahrelange Kleinkrieg in Kiel ist eskaliert: CDU-Ministerpräsident Carstensen will das Bündnis mit den Genossen aufkündigen. SPD-Landeschef Stegner stemmt sich zwar gegen Neuwahlen - doch ein Burgfrieden zwischen den ungleichen Streithähnen scheint ausgeschlossen.

Zwei dürre, nüchterne Sätze besiegelten das Ende:
1. Die 16. Wahlperiode wird zum 20. Juli 2009 vorzeitig beendet.
2. Die Neuwahl findet am Sonntag, dem 27. September 2009, statt.
Einstimmig unterstützte die CDU-Fraktion im Kieler Landtag am frühen Mittwochabend diesen Antrag und ließ damit die Große Koalition in Schleswig-Holstein nach vier Jahren platzen.
Es ist das Ende eines Bündnisses, das sich politisch und atmosphärisch längst überlebt hatte. Spötter sagen schon lange, die Bilanz von Schwarz-Rot im Norden sei zwar ausgesprochen mager. Aber einen Rekord immerhin müsse man den Kieler Koalitionären lassen: Sie führten das Land mit den meisten Regierungskrisen.
Nun war es der CDU eine Krise zu viel. Am Donnerstag will die Fraktion den Antrag zur Auflösung einbringen, am Freitag darüber abstimmen lassen. CDU-Landeschef und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen gab SPD-Landes- und Fraktionschef Ralf Stegner persönlich die Schuld für das Aus: "Angesichts des Verhaltens der SPD unter Führung ihres Landesvorsitzenden Ralf Stegner in den letzten Wochen und Monaten sehe ich keine Perspektive mehr", erklärte ein verärgerter Carstensen am Abend in Kiel.